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Vermeintlich harmonische Fackelläufe in China

Viel ist nicht mehr berichtet worden über Olympia und den Fackellauf in China. Das hat sicher damit zu tun, dass die Erdbebenopfer die volle Auferksamkeit Chinas brauchten und unter anderem inzwischen die Fußball-Europameisterschaft angelaufen ist. Ein anderer Grund für die plötzliche Stille könnte aber auch sein, dass die olympische Fackel nun nur noch innerhalb Chinas umhergetragen wird. Dort hat man die Proteste, die die Fackel durch die ganze Welt begleiteten, im Griff. So herrschen in China, soviel gibt man zumindest gern nach außen, nur Harmonie,Liebe und nationale Einheit.

Auch als das olympische Feuer am Mittwoch die Stadt Shangri-La erreichte, war außer chinesischer Kraft und Harmonie nichts zu spüren. Das ist erwähnenswert, weil dort viele Tibeter leben. Also durften die Mönche nicht auf die Straße, hatten Ausgangssperre zwischen sieben Uhr in der früh bis drei Uhr am Nachmittag. Dazu waren Häuserdächer und Straßen von Einheiten der Polizei und des Militärs bewacht. Für innere Sicherheit war generell gesorgt, auch wenn das auf die ausländischen Journalisten alles beunruhigend nervös gewirkt haben muss.

Dazu kommt, dass innerhalb Chinas täglich von den staatlichen Medien berichtet wird, wie die olympische Fackel friedlich und voller Stolz von Stadt zu Stadt getragen wird. Behinderte, Erdebebenhelfer, Feuerwehrleute oder Wissenschaftler, alle nehmen die Ehre zu Tränen gerührt an und sprechen auswendig gelernte Phrasen in die Kameras des staatlichen Fernsehens. Zensurbeauftragte ersticken öffentliche Kritik durch Internetnutzer im Keim, was nicht gefällt wird gelöscht. Das Bild bleibt perfekt.

Tatsächlich scheint das Bild aber auch nach außen hin perfekt zu funktionieren. Nach den kritischen Spannungen der letzten Wochen zeigen sich inzwischen auch die Verantwortlichen beim IOC beruhigt. Keine Proteste, keine Probleme, so lautet der allgemeine Tenor. Dass Chinas Politiker dem Dalai Lama noch immer drohen und ihn attackieren scheint dabei genauso wenig eine Rolle zu spielen wie die strengen Olympia-Regeln für Ausländer. Auch die letzten und leisesten Proteste werden die Ankunft der Fackel in Tibet am 19. Juni nicht verhindern.

Die "Baseler Zeitung" berichtet derweil von einer anderen Kuriosität aus China. Das Meldeamt gab bekannt, dass 4104 Neugeborene dort nun den Namen "Aoyun" erhielten. Das ist chinesisch für "Olympische Spiele" und folgt einer langen Tradition, nach der man in China seinen Kindern Namen der Ereignisse zu ihrer Geburt gibt. Für andere mag es lustig klingen. Für die Chinesen ist es ebenso Zeichen ihres Stolzes wie der Fackellauf und das Austragen der Olympischen Spiele 2008.

Quelle: Sueddeutsche.de
Bild: YouTube

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