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Lance Armstrong bei Oprah Winfrey: Keine Entschuldigung, wenig Details

Das Interview von Lance Armstrong bei Oprah Winfrey wurde weltweit mit Spannung erwartet. Würde der siebenfache Tour de France-Sieger Namen nennen, packt er komplett über seine Doping-Vergangenheit aus? Nach dem ersten Teil des Interviews dürfte klar sein, dass man von Armstrong auch jetzt nur das erwarte darf, was man die Jahre vorher schon bekam: Worthülsen und halbe Wahrheiten.

Man hätte ja zumindest eine Entschuldigung erwarten können, dafür, dass er die Weltöffentlichkeit jahrelang belogen habe. Armstrong gab zwar zu, dass er jahrelang mit EPO, Testosteron und Eigenblut gedopt habe, aber dies ist ja nun wirklich keine neue Erkenntnis. Er hat es nur jetzt endlich mal ausgesprochen. Doch dass es ihm leid täte, davon war nichts zu hören.

Im Gegenteil, er versucht auch noch, seinen Betrug zu erklären und zu rechtfertigen. Armstrong thematisiert seine sicherlich schlimme Hodenkrebserkrankung, die er überstanden hat. Aber dies als Rechtfertigung zu nehmen, zu dopen, ist schon perfide. "Ich wollte Chancengleichheit herstellen", sagte der ehemalige Radprofi. Aha.

Seine Teamkollegen habe er aber nie bewusst unter Druck gesetzt, meinte Armstrong. Um dann später zuzugeben, dass es klammheimlich erwartet wurde, dass seine Wasserträger ebenso dopen sollten, um die Leistung zu bringen, die Lance Armstrong dann zum Sieg verhelfen solle. Doping sei so selbstverständlich wie Reifen aufpumpen gewesen. Er habe um jeden Preis gewinnen wollen. Da die Kontrollen sehr lasch waren, habe er nie Angst gehabt, erwischt zu werden. Und dann wird er ungewohnt selbstkritisch. Er sei ein "arroganter Sack" gewesen, der andere herumgeschubst, beleidigt und verletzt habe.

Namen und Details nannte Armstrong bei Oprah nicht. Dabei hatten viele genau das erwartet und erhofft. Ihm gehe es eher nur um eine moralische Rechtfertigung, wie die SZ feststellt. Als Zuschauer bekommt man nicht den Eindruck, als würde sich Armstrong selbst als Betrüger sehen. Mal sehen, ob im zweiten Teil des Interviews, das in der Nacht auf Samstag gezeigt wird, ein wenig Reue zu spüren ist. Bisher gilt der Satz, den Lance Armstrong selbst sagte: "Ich bin vielleicht nicht der glaubwürdigste Mensch auf Erden heute." Das stimmt.

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