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Freunde, Familie und Spieler nehmen Abschied von Robert Enke

Auch zwei Tage nach dem tragischen Tod von Nationaltorhüter Robert Enke hat sich der Schock kaum gelegt. Nachdem die Nachricht über den Freitod Robert Enkes bereits am Dienstagabend allenthalben die Schlagzeilen beherrschte, stand der Mittwoch ganz im Zeichen einer ersten Aufarbeitung. Was kaum einer vermutet hatte, auch Robert Enkes Witwe Teresa stellte sich bei einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit und erzählte offen von den Problemen ihres Mannes.

- Teresa Enke spricht

Allen wilden Spekulationen wurde so erst einmal ein Ende bereitet – Teresa Enke erzählt sichtlich mitgenommen aber unheimlich gefasst von den langjährigen Depressionen ihres geliebten Mannes. Bereits seit 2003 habe dieser sich in Behandlung befunden. 'Wenn er akut depressiv war, war es schon eine sehr schwere Zeit, weil ihm dann Antrieb und Hoffnung gefehlt haben', erklärte Teresa Enke. 'Die Schwierigkeit bestand dann darin, das nicht in die Öffentlichkeit hinauszutragen. Das war sein Wunsch aus Angst alles zu verlieren. Im Nachhinein ist das Wahnsinn.'

Immer wieder aber habe sich sein Zustand auch wieder verbessert, letztlich hatte sie gehofft, die Probleme mit ihm gemeinsam durchzustehen. Vor allem zuletzt hatten Teresa Enke und Freunde das Gefühl, dass es ihm einigermaßen gut gehen würde. Dies aber entsprach leider nicht der Wahrheit. Teresa Enke erklärte, Robert habe sich in dem Abschiedsbrief bei ihr und seinen Ärzten dafür entschuldigt, dass er in den letzten Tagen und Wochen allen etwas vorgemacht habe. Dies könnte möglicherweise dafür sprechen, dass er den Freitod bereits geplant hatte.

Auch der DFB nahm bereits am Dienstag ausführlich Stellung zu den tragischen Ereignissen. Denkwürdig war besonders der Auftritt von Manager Oliver Bierhoff – nachdem er zu Beginn erklärte, dass sich Mannschaft und Trainer dazu entschieden hätten, das Spiel gegen Chile am Samstag abzusagen, brach Bierhoff in Tränen aus. Man könne sich nicht vorstellen, wie der Tod Robert Enkes die Mannschaft mitgenommen habe, so der Manager. DFB-Präsident Theo Zwanziger musste den weinenden Oliver Bierhoff trösten, bevor dieser mit der Pressekonferenz fortfahren konnte.

- Oliver Bierhoff auf der Pressekonferenz

In Hannover fand im Anschluss noch eine ökumenische Trauerfeier in der prall gefüllten Marktkirche statt. Die ganze Mannschaft von Hannover 96 war im Bus angereist, hunderte von Fans waren zur Kirche gepilgert und auch Nationaltrainer Joachim Löw und Kapitän Michael Ballack, der Robert Enke seit seinem 13. Lebensjahr kannte, befanden sich unter den Trauernden. Landesbischöfin und neue Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Margot Käßmann hielt eine bewegende Rede: 'Der Tod dieses Sportlers zeigt, dass Fußball nicht alles ist in unserem Leben. Hinter Beliebtheit und Erfolg kann es auch abgrundtiefe Einsamkeit und Verzweiflung geben. Leid, Schwäche und Krankheit sind Teil unseres Lebens. Dafür darf es keine Pfiffe geben, sondern Empathie und Mitleid.'

Im Anschluss hatten Fans von Hannover 96, die Robert Enke wie kaum einen anderen im Team verehrten, einen Trauermarsch organisiert. Insgesamt über 35.000 Trauernde hatten sich in der Stadt versammelt und gingen gemeinsam mit einem Trauerbanner in Richtung Stadion. Dort trugen sich Hunderte in das offene Kondolenzbuch ein. Nun soll das Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft in der kommenden Woche gegen die Elfenbeinküste einigermaßen und in Gedenken an Robert Enke über die Bühne gehen – wie dies nach solch einem Schock möglich sein soll, wird sich erst noch zeigen.

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