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Fackellauf in San Francisco: Ja, wo ist sie denn?

Da haben es sich die Amerikaner jetzt aber einfach gemacht. Um die Störfaktoren, während des Laufes der Olympischen Flamme, so gering wie möglich zu halten und keine bösen Überraschungen zu erleben, wie es in London oder Paris geschehen war, ist die Route des Fackellaufs in San Francisco einfach mal verkürzt und geändert worden. In letzter Minute wurde der Kurs umgeleitet und es begann ein herrliches Versteckspiel. Aber dafür können die Amerikaner nun einen friedlichen Fackellauf auf ihr Konto gut heißen.

Doch diese Tatsache scheint die Gemüter des Olympischen Komitees (IOC) auch nicht glücklich zu stimmen. Zwar sei "die Situation in San Francisco besser" gewesen, so IOC-Präsident Jaques Rogge, aber eine "freudige Party" war es nicht. Wen wundert es, wenn die Party eigentlich wo anders hätte stattfinden sollen? Die Fackel hatte keine Party und die wartenden Partygäste hatten plötzlich keinen Grund mehr zur Party...

Zuschauer und Demonstranten warteten vergeblich auf die Olympische Flamme, denn der geplante Lauf entlang der Hafenpromenade und die Abschlussfeier auf dem Justin-Herman-Platz wurden kurzfristig gestrichen. Heimlich waren die Läufer, nach dem Entzünden der Fackel, per Bus in einen anderen Stadtteil, weitab von der geplanten Strecke, gebracht worden und setzten ihren Lauf unter starkem Polizeischutz ohne große Zwischenfälle in meist menschenleeren Straßen fort. Irgendwie langweilig. Aber diese "außergewöhnliche Maßnahme" sei zum Schutz der Läufer getroffen worden, da nach den Vorfällen in London und Paris sich zahlreiche Fackelträger vor gewalttätigen Ausschreitungen gefürchtet hätten.

Einige Stunden vor dem Lauf sei es in San Francisco außerdem zu starken Wortgefechten zwischen chinesischen Olympia-Befürwortern und pro-tibetischen Demonstranten gekommen.

Tibetanische Demonstranten stoppten anscheinend einen offiziellen Bus mit Fackelläufern an Bord. In tibetanische Flaggen gehüllt lagen die Protestierer auf der Straße, andere sprühten mit roter Farbe "Free Tibet" auf die Seiten des Fahrzeugs, beklebten es mit Pro-Tibet-Aufklebern und klemmten Plakate unter die Scheibenwischer.

Die Belagerung des Busses


Entlang der geplanten Route der Fackel an der Promenade zwischen Golden Gate Brücke und der Bay Brücke trafen Olympia-Fans mit großen, roten China-Flaggen und die Gegendemonstranten mit große tibetanische Flaggen, Protestschilder und Trainingsjacken mit dem Aufdruck "Team Tibet" aufeinander. Stundenlang standen sich Teilnehmer beider Gruppen am Startpunkt des Laufs gegenüber, durch ein paar Polizisten getrennt. "Go China! Go China" gegen "China raus aus Tibet".
Schließlich habe die wachsende Anspannung in der Menschenmenge dazu geführt, dass die Route in letzter Minute geändert werden musste.

Und die 'wartenden Partygäste'? Nach Bürgermeister Gavin Newsom wurden diese keineswegs betrogen: "Meiner Meinung nach hatten die Leute das Recht zu protestieren und die Fackel zu unterstützen. Das sah man auf der Straße. Wir haben keine Proteste verboten."
Aber, Herr Newsom, ganz so ohne Olympische Flamme fällt jegliche Unterstützung schon etwas schwer... Nun gut, die USA ist glücklich und Peter Ueberroth, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC): "Die Stadt San Francisco wird global betrachtet dafür Applaus erhalten."

Auch der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach nahm in Peking „mit großer Freude zur Kenntnis, dass in San Francisco nichts passiert ist.“ Und der norwegische IOC-Marketing-Chef Gerhard Heiberg war „sehr zufrieden, weil es keine Verletzten gab“.

Mal sehen was sich die Organisatoren für die nächste Station in Buenos Aires einfallen lassen. Eine Schnitzeljagd wäre toll!

Quelle: Welt-Online, Spiegel-Online

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