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Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger spricht über seine Homosexualität

Zum ersten Mal hat ein deutscher Nationalspieler und WM-Teilnehmer erklärt, dass er schwul ist: Im Interview mit der ZEIT spricht Thomas Hitzlsperger offen über seine Homosexualität. Nachdem er vor vier Monaten seine aktive Karriere beendet hat, entschloss er sich nun zu diesem Schritt. Hitzlsperger wolle damit die Diskussion über Homosexualität im Profisport voranbringen.

Der Münchener sagte, dass er das Gefühl habe, dass nun der richtige Zeitpunt gekommen sei, den Schritt an die Öffentlichkeit zu tun. Es sei ein langwieiger und schwieriger Prozess gewesen, sich seiner Homosexualität bewusst zu werden, meinte der Deutsche Meister von 2007. "Erst in den letzten Jahren dämmerte mir, dass ich lieber mit einem Mann zusammenleben möchte." Geschämt habe er sich dafür nie. Trotzdem seien Sprüche von Kollegen nicht immer einfach zu ertragen gewesen, wenn diese in Unwissenheit von Hitzlspergers Homosexualität Witze über Schwule gemacht hätten. Hitzlsperger: "Da lässt man die Mehrheit gewähren, solange die Witze halbwegs witzig sind und das Gequatsche über Homosexuelle nicht massiv beleidigend wird."

Geärgert habe er sich immer wieder über die Widersprüche und Klischees über Schwule im Profisport. Dort würden Homosexuelle als Weicheier angesehen, die den harten Leistungssport nicht packen würden. Thomas Hitzlsperger ist das Gegenbeispiel für diese Vorurteile. Schon mit 19 Jahren spielte er für Aston Villa in der Premier League, wurde dort zum Publikumsliebling und bekam wegen seines harten Schusses den Spitznamen "Hitz, the Hammer". 2005 wechselte er zum VfB Stuttgart, wurde dort zum Kapitän und führte das Team 2007 zur Meisterschaft. Nach einem kurzen Gastspiel bei Lazio Rom zog es ihn wieder nach England zu West Ham United. Eine Oberschenkelerletzung machte einen guten Start dort aber unmöglich. 2011 verpflichtete ihn der VfL Wolfsburg, doch dort wurde Hitzlsperger nicht glücklich und wechselte ein Jahr später wieder in die Premier League zum FC Everton. 52 Mal trug er das Trikot der deutschen Nationalmannschaft und nahm an der WM 2006 in Deutschland und an der EM 2008 in Österreich und der Schweiz teil.

Hitzlsperger ist Kolumnist bei der ZEIT und wählte dieses Medium für sein Coming-Out. In der Printausgabe ist das komplette Interview am morgigen Donnertag zu lesen. Dass allerdings einige Teile der deutschen Gesellschaft wohl noch nicht bereit sind für dieses Thema oder noch zu mittelalterlich denken, zeigen viele homophobe und ätzende Kommentare auf der Facebook-Seite von Lukas Podolski. Der Spieler von Arsenal London sprach seinem Nationalmannschaftskollegen dort seinen Respekt aus.

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